Führung. Oder auch “Willkommen im Kindergarten.”
Alle wollen New Work. Flexibilität ist der neue Wohlstand und Agilität das Zauberwort der Stunde. Starre Hierarchien haben ausgedient, heißt es. Führungskompetenzen sollen über Management-Skills hinausreichen und der Diskurs zu Management-Strategien erhitzt mitunter die LinkedIn-Gemüter. Es ist offensichtlich, dass sich die Arbeitswelt wandelt. Wandeln muss. In so einer Zeit häufen sich Konzepte, die vermeintlich neu sind, wohl eher neu klingen. Ob gut oder schlecht, liegt im Auge der Betrachtenden. Aber vor allem sensibilisieren sie und das hilft. Es hilft Führungskräften zu reflektieren wo sie stehen, welche Erwartungen sie an Mitarbeiter:innen haben und wie sie führen und führen wollen. Damit wäre der erste Schritt zu einer veränderten Welt getan. Und nun? Das Bewusstsein es anders anzugehen ist da, aber wie geht es weiter? Welche Konzepte sind die richtigen? Zu viel vorgeben, erstickt das Selber Denken der Mitarbeiter:innen. Zu wenig vorgeben, führt zu Wildwuchs. Hart kritisieren, kann zu Distanz und fehlendem Vertrauen führen. Keine Kritik auszuüben, führt zu fehlender Konsequenz und damit zu Reibungsverlusten.
Management ist Kinderkram.
Management ist ein Wort aus der Erwachsenenwelt und klingt sehr wichtig. Im Kern heißt es aber nichts anderes, als sich einen Plan zu machen, wo man hin will, den Weg zu gehen und anschließend stehen zu bleiben und zurückzublicken wie es bisher gelaufen ist. Kommt Ihnen das bekannt vor? Immer wieder stehenbleiben, nach vorn und zurück schauen? Immer wieder neu überlegen wie man mit Anforderungen, Veränderungen und Wachstum umgeht?
Richtig! Bei der Begleitung und Erziehung von Kindern ist es ähnlich. Unsere Aufgabe ist es, für sie zu sorgen, ihnen den Weg zu ebnen, damit sie wachsen können und ihren eigenen Weg finden. Unsere Aufgabe ist es, ihnen zur Seite zu stehen, Kritik und Lob zu üben, sie zu motivieren und vor allem: genau hinzusehen, welche Persönlichkeit wir da vor uns haben.
Kinder fühlen sich sicher, wenn sie wissen, dass Erwachsene als stabile Faktoren da sind – in guten wie in schlechten Zeiten. Sie brauchen Aufmerksamkeit und Zutrauen in ihrem eigenen Denken und Tun, aber auch das sichere Gefühl, Grenzen von uns aufgezeigt zu bekommen, an denen sie sich bewusst und unbewusst orientieren können.
Was hat das nun mit Klarheit und Führung zu tun?
Der Switch in einen anderen Bezugsrahmen hilft uns, wenn wir im Daily Business an unsere Grenzen stoßen. Wenn Mitarbeiter:innen und Kolleg:innen an die Grenzen ihrer Kompetenzen und Belastungsfähigkeit gelangen. Wenn es mühsam wird, die Konflikte zu komplex sind. In diesen Situationen hilft es, die Perspektive zu verändern. Was würden Sie als Vater, Mutter, Tante oder Onkel tun – ja, was als Erwachsender, wenn Sie auf noch nicht so erfahrene Erdenbürger:innen blicken? Würden Sie mit Abmahnung drohen, wenn der kleine Mensch sich aufführt wie ein Teufel? Würden Sie es immer und immer wieder durchgehen lassen, wenn er oder sie nicht die Zähne putzen will? Nein, sie wären klug genug, um liebevoll und bestimmt zu erklären, vorzugeben, nachzufragen wo die eigentlichen Sorgen sind. Sie würden Ihre “Führungsrolle” ernst nehmen, um das kleine Wesen zu fördern und zu fordern, damit es eine selbstbestimmte starke Persönlichkeit wird.
Nichts anderes wird von Ihnen als Führungsperson im Business erwartet.
Es braucht also keine super neuen Management-Methoden mit abgedrehten Namen, sondern Erkenntnisse aus der Lehre wie wir Menschen bilden, wachsen lassen, damit sie ein wirkungsvoller Teil einer funktionierenden Gemeinschaft werden. Willkommen im Kindergarten des Lebens.
Pädagog:innen lernen in ihrer Ausbildung, genau hinzusehen. Manchen gelingt das gut, anderen besser. Aber sie wissen, dass es Teil ihrer Aufgabe ist, formulieren zu können, wer da vor ihnen steht, mit wem sie es zu tun haben. Sie lernen ihre Umgebung ganzheitlich wahrzunehmen, Sinne gezielt anzusprechen und vor allem: klare Ansagen zu machen. Wo soll es hingehen? (“Jeder geht jetzt Händewaschen vor dem Essen.”) Was wird erwartet? (“Dass jeder beim nächsten Mal selbstständig ans Händewaschen denkt.”) Warum hat dies oder jenes gut oder weniger gut geklappt? (“Warum warst Du nicht Händewaschen?”)
Und sie wissen, nur, wenn sie klar sind, sicher mit beiden Beinen im Leben stehen, dann nimmt man ihnen ihre Führungsrolle ab, begegnet ihnen mit Respekt. (“Bei mir ist allen bewusst, dass sie ohne Händewaschen gar nicht erst erscheinen brauchen.”)
Sie lachen? Ja, lachen Sie! Aber glauben Sie mir, als Unternehmensberaterin war ich doch immer auch Kulturpädagogin. Ich habe immer durch die “Befähigungs-Brille” auf die Wirtschaftswelt geblickt und festgestellt, dass all die erfahrenden Anzugträger in vielen Dingen kleinen Rabauken ähneln.
Es ist also die Aufgabe von uns Führungskräften für Klarheit zu sorgen. Dann funktioniert New Work. Agilität und Flexibilität werden möglich. Wenn alle wissen, was von ihnen erwartet wird, wer für was zuständig ist, Entscheidungen eindeutig getroffen und verstanden werden können, werden wir selbstständiger, selbstsicherer arbeiten. Wir werden schneller die komplexen Herausforderungen der Menschheit bewältigen können. Wenn wir – wie mit kleinen Kindern – sorgsam, bestimmt und konsequent arbeiten, wird sich die Arbeitswelt bunt, lebensfähig und singstiftend verändern. Fast wie im Kindergarten.
Schreiben Sie mir, wenn Sie ihre bunte Truppe bändigen wollen. Gemeinsam schauen wir uns Ihre Persönlichkeiten an und finden Knotenpunkte, an denen es mehr Klarheit braucht.