Moodboards. Das Kartografieren der Zukunft.
Joseph Beuys sagt: “Die Zukunft, die wir wollen, muss erfunden werden. Sonst bekommen wir eine, die wir nicht wollen.”
Herr Beuys hat sicherlich die Gemüter gespalten, aber sein Appell an das bewusste Nachdenken, Selber denken und Gestalten ist zeitlos und gilt für heranwachsende Menschen, die ihren Weg suchen ebenso wie für Unternehmen und ganze Länder. Wo wollen wir hin? Was wollen wir? Und was kommt dann?
Management-Leitfäden sind voll von Methoden und Theorien, die genau das ermöglichen wollen. Zieldefinitionen, Meilensteine und Kennzahlen sollen helfen komplexe Anforderungen zu erfüllen, Budget- und Zeitplanungen messbar und damit beweisbar zu machen. Und ja, sie helfen. Sie helfen eine sachliche Grundlage zu schaffen auf der man vernünftige Entscheidungen treffen kann. Aber wo sollen diese Maßnahmen hinführen? Zauberwörter gibt es genug: Visionen, Moon Shots, Big Ideas. Was sie alle verbindet: Sie versuchen aus dem Alltag herauszutreten und eine übergeordnete Idee, eine Art Sehnsucht zu formulieren. Der Knackpunkt entsteht, wenn diese Visionen vage bleiben. Wenn sie in abstrakten Leitsätzen bleiben, wenn sie nebulös als das Licht am Ende des Tunnels wahrgenommen werden.
Die Zukunft ist nebulös. Aber wozu haben wir sonst unsere Vorstellungskraft?
Es braucht nicht viel und dennoch hilft es, sich phantasievoll mit diesen Zukunftsbildern zu beschäftigen. Wir versuchen der vagen Vision ein klares Gesicht zu geben. Wir versuchen sie greifbar zu machen. Wie ist es da, wo wir hinwollen? Was erwartet uns? Wie fühlt sich diese Situation an? Heißt es, dass alles anders wird oder kommt das Neue einfach on-top? Mittels künstlerisch-kreativer Techniken erschaffen wir ganz konkrete Zielbilder mit dem Ergebnis klare Leitlinien zu formulieren, die bereits am nächsten Arbeitstag angewendet werden können.
Das klingt trotzdem noch zu diffus? Dann kommen hier ein paar Beispiele, die einen Ausschnitt aus Zukunftsbildern zeigen. Zukunftsbild Nummer eins ist ein Bild auf persönlicher Ebene. Wo möchte man in der Zukunft hin? Was ist einem wichtig? Worauf wird man acht geben müssen? Das gezielte Auswählen von Fotos, Wörtern und Überzeugungen sorgt dafür, dass der Kopf sich entscheiden muss. Hier greift das Prinzip der Konkretisierung.
Ein anderes Beispiel zeigt den Weg eines Unternehmens und macht deutlich wohin die Reise geht. Welche Rolle übernehmen zukünftig Mitarbeiter:innen, wenn Routinen von Maschinen und Robotik übernommen werden? Heißt Automatisierung gleichzeitig, dass alles den Maschinen untergeordnet wird? Wie werden sinnliche Produkte mit digitalen Benefits verbunden?
Das Moodboard zeigt: Es ist entscheidend, ob man Lust auf die Zukunft hat und ein harmonisches Bild entsteht, oder ob Willkür auch im Zukunftsbild eine Rolle spielt. Jede Art der Gestaltung hat Einfluss auf das Manifestieren im Kopf. Bewusst oder unbewusst.
Es hilft immer, sich vagen Gedanken, Ängsten, Wünschen und Zielvorgaben zu stellen. Konkrete Ableitungen treten deutlich hervor, Mitarbeiter:innen erhalten ein stabiles Instrument, das ganze Unternehmen hat eine klare Marschrichtung. Die Kunst des Konkretisierens ist anstrengend, die richtigen Bilder zu finden eine Herausforderung.
Wie kommt man zu einem Moodboard? Es ist ähnlich der Gedichtinterpretation zur Schulzeit. Wir sind auf der Suche nach Symbolen, Bedeutungen, Mustern und versuchen sie abzubilden. Schlagworte, Fotos, Zeichnungen werden zusammengetragen und erhalten je nach Priorität ihre Größe und ihren Platz. Doch halt: Seien Sie gewarnt vor den austauschbaren Wörtern des Erwachsenenlebens: Kompetenz, Qualität, Verlässlichkeit, Nachhaltigkeit. Das sind alles nette Wörter, aber sie lösen im Kopf nichts Klares aus, sondern sind nur ein weiteres Indiz für Formlosigkeit. Finden Sie kantige Worte, prägnante Bilder. Auch hier lauert die Willkür. Fotos von Brücken, Handschlag oder Roboter sind schon zu oft gesehen und leider nicht sehr hilfreich. Welche Bilder passen genau zu Ihnen? Zu Ihrem Unternehmen? Um was genau geht es? Hier ist Mut, Humor und Einfallsreichtum gefragt. Je kantiger, desto tiefgreifender die Wirkung.
Gar nicht so einfach.
Gedanken in Formen zu übersetzen und ihnen Gestalt zu geben – zumal es die eigenen sind – ist ein wahrer Kraftakt. Lassen Sie sich dabei helfen. Machen Sie sich meine Vorstellungskraft zu Teil und lassen Sie uns gemeinsam das Zielbild Ihres Teams, Ihres Unternehmens, Ihres Landes - Ja, Ihres Wirkungsraumes erfinden.