Málaga, Du und Deine Küste…

Aus dem heiligen muslimischen Monat Ramadan mitten in die tief katholische Semana Santa. Aus Marokko kommend, wurde ich direkt ins andalusische Leben katapultiert. Von Sonne begrüsst, reihten sich drei Tage unablässlicher Regen aneinander. Hervorragend, wenn die Seele etwas braucht, um übers Mittelmeer zu fliegen. Ja, mittlerweile kann ich das Gefühl meiner “Transitphase” ganz gut einordnen. Alles ist in Ordnung und dennoch fühlt man sich noch nicht angekommen. Jetlag sagen die einen, ich meine, es ist die Zeit, in der die Seele auch so langsam an Ort und Stelle landet.

 


Nach drei Tagen Bindfadenregen dann pure Sonne und pures Málaga. Quirlige Gassen, wunderbare Fassaden, ein einladender Hafen und ganz viel spanisches Lebensgefühl. Ich mag diese Region, auch wenn sie sich in zwei Welten auftut.

 
 
 
 

Da ist die eine Welt der spanischen Eigenheiten. Der Sardinen am Spieß. Der Empanadas und stolzen Kirchen. Der Stierkampf-Diskussionen und weißen Dörfer. Da ist die helle, blendende Sonne, die alles durchdringt. Da sind die wunderschönen Kleider, die schnörkeligen Zäune und Türen. Das Leben am Strand.

Und da ist die andere Welt. Die der deutschen Senioren und Seniorinnen. Die des Schimpfens, wenn man zu lange an der Kasse warten muss. Die Schilder mit deutschen Ärzten, KFZ-Werkstätten und Currywurst, alles in einer Optik, als ob man dem Ballermann den Stecker gezogen hätte. Da sind die furchtbar rationalen Hochhäuser mit vielen kleinen Appartements für Deutsche, Engländer, Franzosen, Niederländer – naja für alle mit Regen und Kälte – die ihre spätere Lebenshälfte in der Sonne und am Meer verbringen. Wem kann man es verübeln.

Aber beide Welten verbinden sich nicht, sie existieren nebeneinander und bleiben einander fremd. Selbst beim Busfahren kann man sich entscheiden, in welche Atmosphäre man abtauchen möchte. Wildes Spanisch, mit quer über den Gang debattieren, oder braves stilles Sitzen und dreimal Checken, ob es auch wirklich der richtige Bus ist. Und ich mittendrin. So und so.
Da schickt mir das Universum Patrique, ein Franzose, der über all das auch eher schmunzelt und ich noch ein wenig französischen Singsang aus Marokko genießen kann.

Zurück nach Málaga. Eine Stadt, die sich nicht viel um andere Städte schert, aber viel aus sich macht. Sie bezirzt die Schönen und Reichen, aber mag sich auch gern als fröhliche, lebenslustige City. Malaga, die Stadt des “eingesalzten Fisches” – Malaka – so der ursprüngliche Name. Ja, es ist eine Küstenstadt. Und ebenso eine Künste-Stadt. Ich durfte die Gemälde Pablo Picassos bestaunen; in einem feinen Palazzo wunderbar kuratiert. Ich habe schon viel von ihm gesehen und von ihm erfahren und frage mich immer, was er davon hält, dass Menschen Schlange stehen und dann mit einem 2000er-artigem-Handy als Audio-Guide von Bild zu Bild und Raum zu Raum schreiten. Würde er es lustig oder lästig finden?

Ich selbst habe wieder viel von ihm und durch seine Bilder gelernt. Das Hinsehen spielt eine elementare Rolle. Beim Aufnehmen, verarbeiten und reproduzieren. Und ich habe nach dieser meiner Reise nochmal ganz anders verstanden, welche Einflüsse fremde Orte auf die eigene Kunst haben und wie sehr Eindrücke durch Malerei, Keramik oder Textildesign verarbeitet werden können.

Was habe ich noch gelernt? Oh, eine Menge über die gegenseitigen Einflüsse von römischer Herrschaft, maurisch-arabischer Eroberung und römisch-katholischen Entwicklungen. Wenn ich einst dachte “oh, das ist so schön typisch spanisch” dann meinte ich vielleicht Elemente, die von den Berbern stammten, die in Andalusien ihre Zeit hatten. Ich habe viele kleine Details wiedergefunden, die ich aus Marokko kenne und erst jetzt richtig verstanden, was es mit einem Land macht, das immer wieder durch neue fremde Kulturen erobert wurde. Und wird. Stile verbinden sich. Menschen vermischen sich. Neue Strukturen werden geknüpft und ein Leben, eine Kultur wie sie davor war, wird es nie mehr geben. Es entsteht Neues. Unweigerlich.
Im andalusischen Fall ist es wechselseitig. Symbole, die einst tief religiöse Bedeutungen trugen, sind nur noch dekorativ. Doch das gilt für beide Seiten: spanische Elemente in einer Medina und arabische Elemente in spanischer Architektur und Kultur. Und dieser Mix wiederum wurde eifrig und in easygiong-Manier bis nach Californieren geschleppt um schicke Strandhäuser zu bauen. Und mittlerweile als “Boho” bei Depot oder H&M als hip verkauft. So entstehen Designs. Und schnelle Trends.

 

Von Málaga aus gibt es ein “in den Osten” und ein “in den Westen” fahren. Und tatsächlich spüre ich die unterschiedlichen Charakteristika der beiden Richtungen. Was gleich bleibt, sind die hässlichen Hochhäuser, die Plantagen voll mit Avocados und Mangos und die Terrassen mit Olivenbäumen. Damit ganz Europa immer ordentlich viel Gemüse und Obst im Supermarkt findet, wird hier alles dafür getan, dass die Früchte Früchte tragen. Das führt dann dazu, dass Wasser knapp wird. Die Lösung: Das Trinkwasser wird von 22 bis 7 Uhr abgestellt. Es soll helfen.
Ich bin mir nicht so sicher, ob es nicht dazu führt, dass noch mehr Wasser verbraucht wird. Füllen wir doch vor 22 Uhr kräftig Kanister auf und lassen am nächsten Morgen erstmal Wasser durch die Leitungen laufen, nur um sie zu spülen…

Müsste es nicht anders gehen? Müssten wir das nicht anders angehen?

Die neue Lösung soll eine Wasserentsalzungsanlage sein und ich meine in der BrandEins darüber gelesen zu haben. Aber ist es der richtige Weg dann dem Meer das Wasser zu nehmen?

Das Meer. Es ist unfassbar. Es ist immer da. Die Wellen sind jeden Tag anders und die Strände lang und weit. Jeden und jede zieht es an diese Weite und plötzlich kommen alle mit wenig aus. Schuhe aus und los. Beim kilometerweiten Laufen wird man nachdenklich und die Küste mit ihren Bauten, der Blick über die Plantagen und die vielen vielen Sonnenanbeter:innen ergeben ein Bild. Der große weite Himmel mit seinen versöhnlichen Sonnenuntergängen, die schneebedeckten Berge im Hinterland und die flatternden Palmen zeichnen ein anderes Bild. Und all die runden, geschmeidigen Steine, die gesammelt werden wollen. Ja, Málaga, Du und Deine Küste ihr seid schon ein besonderes Fleckchen Erde.

 
 
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Granada, wenn Du mal nicht alles verbindest…

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