Lissabon, Du wunderbare Stadt.
Schnörkelige Fliesen, Entspanntheit und das einzigartige Licht am Tejo – Ich bin gern in Lissabon. Eine Stadt, die lebendig ist, aber nicht zu aufgeregt. Eine Stadt, die schmutzig ist, aber das mit Stil. Eine Stadt, die hell und luftig ist, trotz enger Gassen, steilen Wegen und verwinkelten Ecken. Eine Stadt, die europäisch ist, aber südliches Flair überall spüren lässt.
Mir begegnen viele bunte Menschen und viele spannende Gesichter. Und ja, es gibt bestimmte Orte, die ich immer wieder aufsuche, weil ich es dort für einen Moment zeitlos schön finde.
Da ist die Promenade am Fluss – flach und breit und mit einem Mix aus Läufer:innen, Tourist:innen und Anglern. Am schönsten ist sie vor dem MAAT – dem Museum für Kunst, Architektur und Technik. Ein faszinierender Ort.
Da ist der ästhetische Boden in Bélem mit der Weltkarte, Schnörkeln und den Winden, die von der Seefahrt erzählen. Die Farben der Steine sind so schön.
Da ist die Altstadt, in der ich fast jede Gasse kenne und der Park auf dem obersten Hügel mit seinem Pavillon. Überall warten Erinnerungen auf mich, die sich dann vermehren.
Der Kompass der Seefahrerinnen
Kunst und Technologie vereint im MAAT
Fliesenkunst in Reinform
alte Paläste für neue Sachen
Hatte ich schon vom Licht erzählt?
Das einzigartige Licht
Cafés, Cafés, Cafés
Das Wahrzeichen der Stadt mit einem unnachahmlichen Brummen
Aber es gibt auch irritierende Orte. Die LX Factory sollte einst ein Creative Hub sein, in dem Künstler und Kreative sich ausleben können. Jetzt sieht es immer noch hip aus, aber die Läden verkaufen alle das Gleiche. Stylisches Design, keine Frage. Aber wenn man es dann zum vierten Mal an dem Tag zu sehen bekommt, dann verliert der Schriftzug “Handmade" in Portugal” etwas die Glaubwürdigkeit, denn diese Masse an Waren verorte ich eher in andere Weltregionen. Und auch die Menschen haben sich gewandelt. Es schlendern andere Typen und Gruppen durch die Ateliers und Studios. Schade.
Und dennoch schenkt es mir eine Erkenntnis. Die Kunst ist und bleibt ein Sehnsuchtsort für alle. Überall dort, wo es unüblich, andersartig und kreativ aussieht, strömen die Menschen hin. Sie wollen etwas von der Magie einsammeln, aber nicht Teil davon werden. Sie werden angezogen von Farben, Designs und rauen Atelier-Atmosphären und lieben es einen Blick von dieser ihnen fremden Welt zu erhaschen. Aber selbst Künstler:in werden, oder sich kreativ auszuleben, das machen die Wenigsten, denn dafür gibt es ja dann Souvenirs. Zugegeben wirklich schöne Tassen, Plakate, Taschen und Seifen. Aber wenn man sieht wie groß die Sehnsucht der Menschen nach Gestaltung, Kreativität und Kunst ist, so wundernswert ist es, dass wir das schöpferische Arbeiten nicht als höchstes wirtschaftliches Gut einstufen.
Was mir noch auffällt? Mir kommt es so vor, als ob sich immer mehr Menschen finden. Sie drängen und quetschen sich in Züge, in Museen, in Straßenbahnen und Cafés. Das ist mir bereits in Deutschland aufgefallen und hier nun wieder. Orte sind öfter überfüllt. Warum? Weil es geht? Also weil man schnell überall sein kann? Weil uns die Social Media Welt sagt, dass alles möglich ist? Weil wir alles haben wollen, weil wir es haben können? Ich stecke ja auch mitten in dem Pulk. Warum glaube ich, dort Platz zu finden? Wobei - bei 1 km Menschenschlange vor dem MAAT disponiere ich um und komme einfach wieder. Weil es geht …
Aber ja. Diesem Phänomen muss ich noch auf den Grund gehen. Wer hat eine Hypothese?
Für mich geht es jetzt raus aus dem quirligen Leben zum Meer, zum Strand und zu einem weiteren wunderbaren Ort.